Alter und Zeit

Anlass für diesen Beitragstitel ist mein 60. Geburtstag.

Dabei ist mir in der Dusche eingefallen, dass diese Zählerei genaugenommen gar nicht stimmt. Nimmt man nämlich den Tag der Geburt als 1. Geburtstag, dann ist die heurige Wiederkehr dieses Tages schon der 61. Geburtstag.

Es stellt sich also die Frage: Bin ich jetzt 60 oder 61 Jahre alt. Ich lebte bis zum normalgerechneten Geburtstag bereits 60 Jahre, und es waren alle ausgefüllt mit voller Lebenszeit. Viele sagen dann, er ist bereits im 61. Lebensjahr und so kann man es auch auf manchen Parten lesen: „Er verstarb im 61. Lebensjahr.“ Das heißt also, er war 60 Jahre alt, hat damit genaugenommen 60 Jahre oder etwas länger (einige Tage, Wochen oder Monate) gelebt. Wir wollen aber hier nochnicht vom Ableben schreiben, denn die weitere Frage, die sich nun stellt, lautet:

Wie fülle ich die verbleibende Zeit mit Leben?

Die drei Striche nach dieser Frage bedeuten, dass ich (es geht euch wahrscheinlich auch so) über die Beantwortung lange nachdenke. Dabei ist mir der Begriff der Obsoleszenz über den Weg gelaufen.

Wikipedia erklärt: „Der Begriff Obsoleszenz (von lat. obsolescere, sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Wert verlieren, …) bezeichnet, dass Produkte … veraltet sind oder altern.“ (Zitat Ende)

Was hat diese Zitat bzw. diese Aussage aber mit mir, mit meinem Leben, mit meinem Alter und mit meiner Zeit zu tun? Na ja, denkt doch mal nach!

Ich meine die Entscheidung und Frage „Wie fülle ich die verbleibende Zeit mit Leben?“ stellt sich ja nicht erst mit dem 60. Geburtstag, aber sie stellt sich mit der längeren Lebensdauer immer drängender. Abgenutzt, alt geworden, aus der Mode gekommen, an Wert verlieren – das passt schon so in etwa für 60 Lebensjahre – Obsoleszenz für eine Humanressource. Das hört jetzt zwar sehr negativ an, das Wort Humanressource wird aber gerne in großen Firmen oder Konzernen verwendet, die in ihren Berechnungen zur Gewinnmaximierung Menschen mit so einem Wort bezeichnen.

Bleiben wir noch einige Zeit bei diesem Wort, verweilen wir noch etwas, nehmen wir halt noch meinen Teil des Lebens, um darüber nachzugrübeln.

In diesem Lebensabschnitt gibt es viele Möglichkeiten und Zeit, um über seine eigene Person, seine Mitmenschen und seine Umwelt nachzudenken. Da  fiel mir in der vergangenen Woche ein Artikel einer Zeitschrift in die Hand, der über das Thema „enkeltaugliches Leben“ berichtete.
Die Zeitschrift heißt „OYA“ – anders.denken, anders.leben – so die Leitgedanken dieses Mediums. In vielfältiger Form vermag diese Zeitschrift mit seinen Berichten zu überzeugen.

Die Frage ist nun nicht mehr – wie fülle ich die verbleibende Zeit mit Leben? – sondern – was kann ich in der verbleibenden Zeit unternehmen, um ein Leben zu führen, dass für meine Enkel, Urenkel, … eine gesunde Welt, eine solidarische Wirtschaft, lebensfördernde Gemeinschaften und sinnerfüllte Beziehungen entstehen und bleiben?

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